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19.03.2018 | Jugend | www.leichtathletik.de

Erstes DLV-Talent-Camp holt Heimtrainer ins Boot

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Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat von Donnerstag bis Sonntag zum ersten Mal ein neues DLV-Talent-Camp in Kienbaum veranstaltet. Rund 70 Athleten des jüngeren U18-Jahrgangs (2002) und 50 Heimtrainer sind der Einladung ins Olympische und Paralympische Trainingszentrum Deutschlands gefolgt. Das Ziel war, die Kommunikation zwischen Heim- und Bundestrainern zu intensivieren.

Erstes DLV-Talent-Camp holt Heimtrainer ins Boot (Foto: B. Heller - DLV).

Erstes DLV-Talent-Camp holt Heimtrainer ins Boot (Foto: B. Heller - DLV).

Als Fortsetzung des Fair-Play-Camps, das vergangenen November in Saarbrücken stattfand, konzipierte der DLV für ein verlängertes Wochenende erstmals das DLV-Talent-Camp in Kienbaum. Unter der Leitung von U18-Bundestrainer Jörg Peter soll mit dieser viertägigen Veranstaltung eine Gelegenheit zum konstruktiven Austausch zwischen Heim- und Bundestrainern geschaffen werden.

„Es sind frühere Weltklasse-Athleten, junge motivierte Trainer und erfahrene Trainer hier, ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagte Jörg Peter am Eröffnungsabend. Und an die Athleten richtete er: „Ihr seid die besten Deutschen eures Alters, ihr könnt bei den Olympischen Spielen 2028 am Start sein. Wir wollen eure Leistungsentwicklung gemeinsam mit den Heimtrainern fördern.“ Gänsehaut bekamen alle, als ein kurzer Film mit den Highlights der U18-WM in Nairobi (Kenia) und der WM in London (Großbritannien) vorgeführt wurde.

Drei ehemalige Weltklasse-Werfer trainieren Nachwuchs-Hoffnungen

Rund 50 Coaches begleiteten ihre Athleten ins Camp. Darunter waren auch drei ehemalige Weltklasse-Werfer, die sich jetzt um den Nachwuchs ihrer Disziplin kümmern. Erst letztes Jahr beendet hat seine Karriere der zweimalige WM-Teilnehmer im Diskuswurf Markus Münch, der im Jahr 2000 selbst als Talent bei einem DLV-Camp dabei war und nun als Trainer zurückkehrt. Der 31-Jährige arbeitet am Olympiastützpunkt in Berlin und bildet Nachwuchshoffnungen für Männer-Bundestrainer Dr. Marko Badura und Torsten Lönnfors aus, die Robert und Christoph Harting (beide SCC Berlin) betreuen.

Auch Ex-Kugelstoßer Ralf Bartels, der bei der Hallen-WM in Birmingham (Großbritannien) kürzlich nachträglich Hallen-WM-Silber von 2010 erhielt, geht mittlerweile in Neubrandenburg seiner „Berufung“ als Trainer nach. „Ich finde das richtig gut, dass die Heimtrainer einbezogen werden, man kann viele neue Informationen mitnehmen“, meinte der 40-Jährige über die Premiere der Veranstaltung. Er arbeitet in Neubrandenburg mit seinem Ex-Trainer, dem jetzigen Bundesnachwuchstrainer Gerald Bergmann zusammen.

Der dreimalige WM-Achte Mark Frank, Bundestrainer der Speerwerferinnen, war in der Rolle als Heimtrainer vor Ort: Mit seiner Trainingsgruppe und seinem Sohn Eric. Der 16-Jährige wechselte erst vor acht Monaten vom Handball zum Speerwurf. „Technisch habe ich deshalb noch Defizite“, sagt der junge 60-Meter-Werfer aus Rostock. Seine Vorbilder: Sein Vater und Johannes Vetter (LG Offenburg). Den Weltmeister traf er bereits einmal zum Training in Kienbaum. „Das war schon klasse, ihn live werfen zu sehen.“

Sportmotorische Tests als Fingerzeig

Für die jungen Talente standen eine Reihe sportmotorischer Tests auf dem Programm, bei deren Durchführung und Erhebung das IAT um Dr. Uwe Wenzel unterstützte: 60-Meter-Sprints, Sprungläufe oder Kugel-Schocken. Die Ergebnisse geben Aufschluss über wichtige Zubringer-Leistungen und bieten die Möglichkeit im Zeitverlauf zu messen, ob Trainingsmethoden angeschlagen haben. Einige Athleten konnten ihre Resultate im Vergleich zum Fairplay-Camp in Saarbrücken steigern.

Aber nicht nur die sportliche Leistungsfähigkeit wurde unter die Lupe genommen: Mittels des sogenannten „Functional Movement Screenings“ (FMS) bewerteten die DLV-Physiotherapeuten Stephan Maier und Viola Engelhardt in sieben verschiedenen Übungen Koordination, Beweglichkeit, Kraft und Stabilität auf einer Skala von 0 bis 3. Der Test zeigt Defizite und Asymmetrien auf, welche Ursachen für Beschwerden und Verletzungen sind.

Als dritter Test-Block durchliefen die Athleten das Wiener Testsystem (WTS). Dieses Instrument aus der Psychologie soll messen, wie Menschen auf Stress und unter Druck reagieren. Innerhalb von acht Minuten muss an einem Computer mittels Knopfdruck auf 700 Farb- und Ton-Reize richtig reagiert werden. Die mentalen Anforderungen während eines Wettkampfs werden dabei simuliert. Über Sinn und Zweck der drei Test-Blöcke wurde für die Heimtrainer jeweils eine Informationsveranstaltung angeboten.

Persönliche Gespräche mit Bundesnachwuchstrainer und Verbandspsychologe

Zu den Test-Ergebnissen der Athleten gaben die anwesenden Nachwuchsbundestrainer den Heimtrainern Feedback, so dass diese Impulse für die kommenden Trainingsinhalte und Technikeinheiten mit nach Hause nehmen konnten. „Ich habe ein super Verhältnis zu unserem Bundestrainer, wir stehen regelmäßig in engem Austausch“, berichtet Tilmann Northoff, der seine Kinder Timo (U18-Weltmeister Kugelstoß) und Pia (Deutsche U16-Meisterin Diskus; beide TuS Jöllenbeck) trainiert.

Um seine Leistung im richtigen Moment abrufen zu können, muss der Kopf mitspielen. Sportpsychologe Moritz Anderten, der an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) das Projekt „Mentaltalent“ leitet, gab in seinem Vortrag dazu interessante Anregungen: Wie gelingt eine wertschätzende Trainer-Athlet-Kommunikation auf Augenhöhe? Welche Relevanz hat die Stress-Balance zwischen Schule und Training? Auch die Talente bekamen anhand praktischer Beispiele einen Eindruck davon, was es mit mentaler Stärke auf sich hat.

Der Traum von Hollywood: Olympische Spiele 2028 in Los Angeles

Welche langfristige Perspektive sich für die "U17-Athleten" eröffnen kann und welche Herausforderungen in der „Dualen Karriere“ auf sie zukommen, darauf bereitete U20-Bundestrainer Dietmar Chounard die Zuhörer vor. „Es wartet eine spannende, sportliche Karriere auf euch und der DLV wird euch dabei ganzheitlich unterstützen“, sagt Dietmar Chounard, der Möglichkeiten der beruflichen Begleitung wie Bundespolizei oder Bundeswehr, aber auch Grenzen der Förderung aufzeigte.

Insgesamt wurde deutlich, dass am sportlichen Erfolg viele Akteure und Institutionen beteiligt sind: Athlet, Trainer, Eltern, Verein, Verband, Schule, Freunde, Ärzte, Physiotherapeuten, Psychologe. Das Zusammenspiel muss funktionieren und das Umfeld im Idealfall an einem Strang ziehen, um tatsächlich das Fernziel der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles (USA) zu erreichen.

Die Athleten selbst denken in diesem Alter oftmals noch nicht so weit. Sie wollen sich eher in naher Zukunft einen Traum erfüllen. „Mein Ziel ist die U18-EM und vielleicht auch Buenos Aires“, sagt Kugelstoßerin Sina Prüfer (Hallesche Leichtathletik-Freunde) über einen Start bei den U18-Europameisterschaften in Györ (Ungarn) und bei den Youth Olympic Games in Buenos Aires (Argentinien). Qualifikations-Wettkampf für Györ ist die U18-Gala in Schweinfurt, Quali für die YOG erfolgt über Quotenplätze in Györ.

Leichtathletik oder Handball?

Während die meisten der Teilnehmer in der Leichtathletik schon ihre Lieblingssportart gefunden haben, fahren andere noch zweigleisig: Die Mehrkampf-Zwillinge Oskar und Felix Neudeck (beide LG Filstal) durchlaufen gerade den Ausscheid für die deutsche U18-Nationalmannschaft im Handball. Die beiden Spieler des Vereins „Frisch auf! Göppingen“ schafften kurz vor dem Camp den Sprung in die Top 32, die finale Auswahl der Top 16 Deutschlands folgt Ende März. „Uns machen beide Sportarten Spaß“, sagen die Brüder. Mit teilweise nur einmal Leichtathletik-Training pro Woche – neben fünf Einheiten Handball (!) – holten sie 2016 (Felix; M14) und 2017 (Oskar; M15) die deutschen U16-Meistertitel im Neunkampf.

Disziplin-Kollege Paul Kallenberg – Sohn von Stephan Kallenberg, dem Trainer von Speerwerfer Julian Weber (beide USC Mainz) – ist dagegen schon ganz Zehnkämpfer. In Kienbaum gefielen ihm besonders die guten Trainingsbedingungen und der Kraftraum. „Die Qualifikation für die U18-EM wäre schon cool, ist aber angesichts der Konkurrenz noch nicht realistisch. Mein erstes Ziel ist daher der NK2-Kader“, erklärt der Mainzer.

800-Meter-Läuferin Sophia Volkmer (LG Wetzlar) weiß schon, wie toll es sich anfühlt, das Nationaltrikot zu tragen. Beim U20-Länderkampf in Nantes (Frankreich) gewann sie ihr Rennen gegen zum Teil drei Jahre ältere Konkurrenz. In der U18-Nationalmannschaft hat der Team-Gedanke als Leistungsressource einen hohen Stellenwert. Dies zelebrierten Moritz Anderten und Dominic Ullrich (DLV-Vizepräsident Jugend) am abschließenden Team-Building-Abend unter dem Motto: „Wir sind ein Talent-Team!“


13.03.2018 | EM-Jugendcamp vom BLV

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