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27.09.2007 | Wettkampf | Philip Häfner (Redaktion Leichtathletik)

Blindes Verständnis

Partner des LVR:

Die Zeitschrift Leichtathletik berichtet in ihrer Ausgabe vom 25. September 2007 über eine Sprintstaffel der Sehbehinderten mit Jörg Trippen-Hilgers von der LG Bernkastel/Wittlich, die beim ISTAF in Berlin nur knapp gegen das Nationalteam der Frauen des DLV verlor hat.

Jörg Trippen-Hilgers (LG Bernkastel/Wittlich) auf dem Weg zu den Paralympics in Peking. (Foto: <a href="http://www.fotolauf.de/" target="_blank">Holger Teusch</a>)

Jörg Trippen-Hilgers (LG Bernkastel/Wittlich) auf dem Weg zu den Paralympics in Peking. (Foto: Holger Teusch)

Am Ende musste auch Verena Sailer mit einem Lächeln anerkennen: „Jungs, das war ganz schön knapp.“ Die WM-Teilnehmerin und Schlussläuferin der DLV-Staffel betrachtete in der Mixed Zone des Berliner Olympiastadions auf einem Bildschirm noch einmal die Wiederholung des Rennens ihres Quartetts gegen eine 4x100-Meter-Staffel sehbehinderter Männer, das die „Sehenden“ nur knapp mit 44,28 zu 44,56 Sekunden für sich entschieden.

Schon im Vorfeld des Duells war von Experten ein spannendes Rennen erwartet worden, schließlich laufen die gehandicapten Männer vergleichbare Zeiten wie die nicht-behinderten Frauen. Angetrieben vom begeisterten Publikum wuchs die Staffel des Deutschen Behindertensportverbandes um Matthias Schröder, Thomas Ulbricht (beide PSC Berlin/AC Berlin) Jörg Trippen-Hilgers (LG Bernkastel/Wittlich) und Matthias Schmidt (SC Potsdam) auf der blauen Bahn in Berlin über sich hinaus. „Das ist die Norm für die Paralympics in Peking“, jubelte Ulbricht im Ziel, „und gleichzeitig Deutscher Rekord.“ Doch der Auftritt im Olympiastadion war noch aus einem ganz anderen Grund wichtig für die vier Läufer und den Behindertensport im Allgemeinen. Trippen-Hilgers, der 1996 bei den Paralympics bereits Silber mit der Staffel und vier Jahre später Bronze im Weitsprung gewonnen hatte, erklärt: „Es war wichtig, zu zeigen, dass auch Behindertensportler sich messen können. Wir sind ja sonst immer eher eine Randgruppe, in Zeitungen zu finden auf Seite 37, unten rechts.“

Gerade sehbehinderte Sportler hätten dabei ein ganz besonderes Problem. „Wir sind schwer einzuschätzen für die Zuschauer“, so Trippen-Hilgers, „wenn einer mit Prothesen läuft, sieht das halt spektakulärer aus.“ Bei den Sehbehinderten gibt es verschiedene Startklassen, die von zehn Prozent Sehstärke bis hin zu kompletter Blindheit reichen. In letztere Kategorie fällt beispielsweise auch der Schlussläufer der ISTAF-Staffel, Matthias Schmidt. Der Potsdamer wird daher von einem Begleitläufer, Tom Thyrolf, unterstützt, weshalb man streng genommen auch von einer 5x100 Meter-Staffel sprechen müsste. „Wir laufen an einem Band“, erklärt Thyrolf, der ganz besonders darauf achten muss, dass Laufrhythmus und Schrittlänge mit seinem blinden Partner übereinstimmen. „Wenn es optimal läuft, sieht man von der anderen Seite des Stadions aus nur eine Person und ein paar Beine“, erzählt Thyrolf.

Doch nicht nur der fünfte Läufer unterscheidet die Staffel der Sehbehinderten von ihren nicht-behinderten Kollegen. „Es läuft logischerweise sehr viel über akkustische Signale und nicht über Ablaufmarkierungen“, sagt Trippen-Hilgers. „Da kann so ein lautes Stadion schon mal einschränkend wirken.“ Die vier rechnen sich für die Paralympics in Peking 2008 große Chancen aus. „Mal schauen, wer dann von den Mannschaften überhaupt durchkommt“, meint Kollege Ulbricht und hofft dabei doch auf den ganz großen Erfolg: „Mit einer Zeit wie beim ISTAF ist zwischen Platz eins und sechs alles möglich!

Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Leichtathletik im DSV Deutscher Sportverlag. Diese finden sie auch im Internet unter www.leichtathletik-news.de


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