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20.08.2019 | Wettkampf | DLV News

Gesa Krause: "Wir Athleten sind stolz, Teil des Teams zu sein"

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In allen drei Einsätzen für die DLV-Mannschaft bei Team-Europameisterschaften hat Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) in ihrer Disziplin mit einem Sieg die volle Punktzahl geholt. So trug die 27-Jährige am Wochenende zum Silber-Erfolg des deutschen Teams in Bydgoszcz (Polen) bei. Im Interview sprach die zweimalige Europameisterin über das besondere Format der Team-EM und ihre Ambitionen für die WM in Doha.

Gesa Krause: "Wir Athleten sind stolz, Teil des Teams zu sein" (Foto: Iris Hensel).

Gesa Krause: "Wir Athleten sind stolz, Teil des Teams zu sein" (Foto: Iris Hensel).

Gesa Felicitas Krause, Sie haben in Bydgoszcz zum dritten Mal bei einer Team-EM in ihrer Disziplin die volle Punktzahl für die DLV-Mannschaft geholt. Was bedeutet Ihnen der Sieg dieses Jahr?

Gesa Felicitas Krause:

Für mich ist die Team-EM ein besonderer Wettkampf. Ich ziehe oft alleine durch die Welt und trainiere in einem ganz kleinen Team. Deshalb ist es eine tolle Sache, wenn man Teil eines großen Teams sein kann. Bei Europa- oder Weltmeisterschaften konzentriert man sich doch sehr auf sich selbst. Es ist schön, hier um den Sieg und die Punkte für die Mannschaft zu kämpfen. Das weckt den Ehrgeiz. Es ist meine dritte Team-EM und es war immer ein tolles Erlebnis.

Bei der Team-EM geht es um Punkte für die Mannschaft, sonst kämpft jeder für sich. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht Team-Geist in der Leichtathletik?

Gesa Felicitas Krause:

Bei einer EM und WM geht es vorrangig um die eigene Leistung und darum, das, was man sich in einem kleinen Team und der eigenen Trainingsgruppe erarbeitet hat, dort zu zeigen. Ich habe zu allen Athleten im DLV-Team einen guten Draht und freue mich natürlich für jeden mit, der für sich selbst und unser Land eine gute Leistung bringt. Eine Medaille für Deutschland ist immer etwas Besonderes, wer auch immer sie dann holt. Aber man ist bei diesen Wettkämpfen sehr auf sich selbst fokussiert. Bei der Team-EM ist es das Schöne, dass man im Team interagiert, die Wettbewerbe zusammen verfolgt und sich gegenseitig die Daumen drückt. Ich hoffe, dass das Event weiter existiert. Alle Athleten, mit denen ich gesprochen habe, sind gerne dabei und stolz Teil des Teams zu sein.

Ein Blick auf die weitere Saison: Die Ende September beginnende WM in Doha ist dieses Jahr sehr spät und es werden klimatisch sehr warme Temperaturen von bis zu 50 Grad herrschen. Wie bereiten Sie sich auf diese Weltmeisterschaften vor?

Gesa Felicitas Krause:

In Rücksprache mit meinem Trainer und meinem Team haben wir festgestellt, dass man sich als Mittel-Europäer nicht an diese Bedingungen in Doha anpassen kann. Ich glaube nicht, dass wir in der Lage sind, uns innerhalb von zwei Wochen an solche klimatischen Unterschiede zu gewöhnen. Ich bin vor zwei Jahren bei der Diamond League in Doha gestartet. Da die Wettkämpfe nach Sonnenuntergang stattfinden, ist es schon ein Unterschied zu der Wärme am Tag. Das Stadion soll auch klimatisiert werden. Es wird sehr warm sein, aber ich komme mit Wärme gut zurecht. Ich sehe den Wettkampf ohne direkte Sonneneinstrahlung nicht als großes Problem. Als Athlet muss man grundsätzlich vorsichtig sein mit den Temperatur-Unterschieden zwischen draußen und in klimatisierten Hotels und mit der passenden Kleidung gegensteuern, um eine Erkältung zu vermeiden. Ich nehme die Bedingungen, wie sie sind, und sie sind für alle gleich.

Und der späte Termin?

Gesa Felicitas Krause:

Das gilt auch für den späten Zeitpunkt, der für alle Athleten eine neue Herausforderung ist. Wir sind die Saison etwas anders angegangen, haben im Mai noch keine Wettkämpfe bestritten und das Training etwas anders geplant, so dass man am Ende der Saison noch Reserven hat. Ich habe das Gefühl, dass die Saison erst mit den Deutschen Meisterschaften so richtig gestartet ist. Jetzt sind es noch sieben Wochen, in denen ich mir den Feinschliff holen kann, um in optimaler Verfassung zu sein. Schwieriger ist die Gestaltung der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele, da die Pause nur sehr kurz ist. Das Wichtigste ist es, gesund aus dieser Saison zu kommen, um den Start in Tokio nicht zu gefährden.

Wie sieht der Zeitplan für den WM-Feinschliff aus? Was ist geplant?

Gesa Felicitas Krause:

Ich war vor den Deutschen Meisterschaften vier Wochen in Davos und habe dort einen sehr umfangreichen Trainingsblock gesetzt, viel an den Grundlagen gearbeitet und noch gar nicht so sehr spezifisch trainiert. Das kommt jetzt in den kommenden Wochen auf mich zu, die Trainingseinheiten werden intensiver. Erst dann werde ich im Training wettkampfnahe Tempo-Programme absolvieren. Dazu kommen einige Wettkämpfe, die mir die nötige Tempo-Härte geben. Dabei kann ich mich an die Hindernisse gewöhnen, ich bin niemand, der im Training viele Hürden und Hindernisse überquert. Das lernt man im Wettkampf am besten.

Welche Wettkämpfe werden Sie laufen?

Gesa Felicitas Krause:

Nächste Woche gehe ich beim Diamond League-Meeting in Birmingham an den Start. Dort wird sich entscheiden, ob ich mich für das Finale in Zürich qualifiziere. Am gleichen Wochenende würde ich mit einem Start beim ISTAF eine Doppelbelastung planen. Das ISTAF wäre dann mein letzter Wettkampf vor der WM. Das heißt, danach habe ich noch vier Wochen Zeit, wovon ich zwei Wochen in der Höhe verbringen werde und mich anschließend zwei Wochen auf normaler Höhe optimal auf meine Läufe bei der WM vorbereiten kann. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das gut klappt.

Welche Ziele haben Sie für Doha und wie schätzen Sie die internationale Konkurrenz ein?

Gesa Felicitas Krause:

Ich bin nun doch schon sehr lange im Geschäft, meine erste WM war 2011. Damals ist man mit einer Zeit von 9:38 Minuten verhältnismäßig locker ins Finale gelaufen. Das Niveau hat sich deutlich erhöht in den letzten Jahren. Ich denke, man muss eine 9:20 bis 9:22 laufen, um sich fürs Finale zu qualifizieren. Das sehe ich nicht als großes Problem für mich, aber Vorläufe muss man immer erstmal als ersten Schritt meistern. Das Niveau in der Welt ist enorm stark, die Spitze bewegt sich zwischen 9:00 und 9:05 Minuten. Um in das Medaillengeschehen eingreifen zu können, muss man in diesen Bereich laufen. Der Weltrekord aus dem letzten Jahr von 8:44 Minuten liegt natürlich außer Reichweite.

Es wird im WM-Finale auch viel auf die Taktik ankommen...

Gesa Felicitas Krause:

Ja, das ist etwas, was mir in die Karten spielt. Es wird ein sehr gutes Feld mit starken Kenianerinnen und Amerikanerinnen und ein taktisches Rennen. Man muss ein Niveau von 9:05 Minuten bieten, um Medaillenchancen zu haben. Ich laufe meiner Bestzeit jetzt schon zwei Jahre hinterher. Es ist definitiv mein Ziel und mein Wunsch, diese Zeit zu verbessern und in Richtung 9:05 Minuten zu laufen. Ich habe großes Vertrauen, in meinen Trainer, der mich zum Saisonhöhepunkt immer in eine Top-Verfassung gebracht hat. Natürlich erscheint eine Medaille den Fakten auf dem Papier nach außer Reichweite, aber ich habe 2015 mit Bronze schon mal gezeigt, dass Fakten im Vorfeld nicht viel zu sagen haben. Der Traum einer internationalen Medaille ist seitdem immer präsent. Ich werde mich von meiner besten Seite präsentieren, was dabei rauskommt, wird sich zeigen.

Vor der Team-EM waren Sie bei der DM in Berlin und kehren auch zum ISTAF wieder ins Olympiastadion zurück, wo Sie ihren zweiten EM-Titel geholt haben und vor zwei Jahren mit 9:11,85 Minuten den noch gültigen deutschen Rekord liefen. Wie hat Ihnen das neue Format der Finals mit den zehn Deutschen Meisterschaften von zehn verschiedenen Sportarten gefallen?

Gesa Felicitas Krause:

Die Leichtathletik hautnah zu erleben, ist wie bei der EM weiter ein Zugpferd. Die Zeitpläne waren kurz und knapp, was sehr gut war. Die Zuschauer werden über drei Stunden gut unterhalten und haben ein cooles Event erlebt. Ich war sehr positiv beeindruckt und begeistert von der Stimmung in Berlin und im Olympiastadion. Das macht einfach Spaß, wenn man tun kann, was man liebt und dann noch so ein Publikum im Rücken hat. Die Finals sind ein tolles Format, auch für den Zuschauer am TV, der zwei Tage Sport im Fernsehen erleben kann. Davon konnten sicher auch Randsportarten profitieren. Es ist ein tolles Event, um den Sport mehr in die Gesellschaft zu bringen.

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