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02.10.2019 | Wettkampf | www.leichtathletik.de

Gesa Felicitas Krause und der Masterplan

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Mit dem Rennen ihres Lebens gewann Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause (Silvesterlauf Trier) am Montagabend die erste deutsche Medaille bei den Weltmeisterschaften in Doha. Dank einer taktischen Meisterleistung und einer fantastischen Schlussrunde steigerte die 27-Jährige ihren deutschen Rekord von Ende August in Zürich noch einmal um vier Sekunden auf 9:03,30 Minuten. Geschlagen geben musste sie sich lediglich Weltrekordlerin Beatrice Chepkoech (Kenia) und Titelverteidigerin Emma Coburn (USA).

Gesa Felicitas Krause und der technisch-taktische Masterplan (Foto: <a href="https://www.wolfgang-birkenstock.de/" target="_blank">Wolfgang Birkenstock</a>).

Gesa Felicitas Krause und der technisch-taktische Masterplan (Foto: Wolfgang Birkenstock).

„Ich bin glücklich, dies geschafft zu haben“. Die Emotionen von Gesa Felicitas Krause nach dem Rennen ihres Lebens waren greifbar. Nur vier Wochen nach ihrem deutschen Rekord von Zürich (Schweiz) hatte sie sich noch einmal um vier Sekunden gesteigert und nach Peking 2015 ihre zweite WM-Medaille gewonnen. Eine Steigerung von 9:11,85 Minuten auf 9:03,30 Minuten um mehr als acht Sekunden innerhalb von einer Saison – das ist schon furios. Mit zwei EM-Titeln, zwei WM-Bronzemedaillen und zahlreichen deutschen Rekorden ist Gesa-Felicitas Krause zu einer Ausnahmeläuferin geworden.

Beatrice Chepkoech hatte das Rennen furios begonnen, mit derselben Taktik wie bei ihren acht Diamond-League-Siegen: Vom Start weg die Flucht nach vorne suchend, war die Kenianerin rasch dem Feld enteilt. Allein die Frage nach Silber und Bronze blieb spannend. Gesa Krause hielt sich bei höchstem Tempo am Ende einer siebenköpfigen Verfolgergruppe auf, immer mit einem kleinen Abstand. „Dadurch konnte ich die Hindernisse immer mit bester Technik bei höchstem Tempo überlaufen“, sagte die Hessin. „Die gute Hindernis-Technik, das ist mein Talent.“

Denkwürdiger WM-Abend

Am Ende rollte Krause wie schon in Zürich das Feld von hinten auf, sammelte eine Läuferin nach der anderen ein und stürmte am letzten Wassergraben auf den Bronzerang. Für einen Moment schien sogar noch eine größere Sensation möglich. Weltrekordlerin Chepkoech wurde mit 8:57,84 Minuten Weltmeisterin, Titelverteidigerin Emma Coburn lief mit 9:02,35 Minuten auf dem Silberrang ein und dann Krause – ein denkwürdiger Tag für die deutsche Leichtathletik. Erstmals bei dieser WM wurden deutsche Fahnen im Publikum geschwenkt.

3.000 Meter Hindernis ist die Strecke der Kenianer. Vier der sechs schnellsten Hindernisläuferinnen sind Kenianerinnen. In diese Phalanx ist die Hessin mit ihren Sturmläufen in Zürich und Doha eingedrungen – Gesa Krause ist zur „weißen Kenianerin“ geworden. Der Traum, unter die neun Minuten zu laufen ist für sie in Reichweite. Erst fünf Läuferinnen haben dies geschafft.

Handschrift von Wolfgang Heinig

3.000 Meter Hindernis kann aber auch eine Leidensstrecke sein. Gesa Felicitas Krause hat die Tücken des Hindernislaufs leidvoll erfahren. Bei der WM 2017 in London (Großbritannien) musste sie durch einen Sturz ihre Hoffnungen begraben. Sie stand auf, wurde Neunte und zeigte einen bemerkenswerten Umgang mit ihrem sportlichen Schicksal. Krause wurde zu einem Symbol für Willenskraft und Fairness. Nachdem diese Wunden verheilt waren, freundete sie sich mit der Hindernisstrecke wieder an.

Die Entwicklung von Gesa Felicitas Krause trägt die Handschrift ihres Trainers Wolfgang Heinig. Er ist der Motor ihres Erfolgs. „Wir sind zwar verschiedene Generationen, haben dennoch ein freundschaftliches Verhältnis,“ sinniert Krause über die Wurzeln ihres Erfolgs, „er hat einen eigenen Kopf, bringt aber eine unheimliche Leidenschaft mit“. Sie sei stolz, diesen Trainer zu haben. Mit großer Akribie hatte der Torgauer, der schon seine Frau Katrin Dörre-Heinig zur erfolgreichster Marathonläuferin der Welt formte, Gesa Krause auf die Großereignisse der letzten Jahre erfolgreich vorbereitet. „Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin“, sprach die Athletin ihrem Trainer höchstes Lob aus. 

Kommendes Jahr durchgetaktet

Heinig hatte sich nach dem Hindernis-Feuerwerk in die Nacht von Doha zurückgezogen. Wollte den Erfolg allein genießen. „Mega geil, einfach cool“, tauchte der 68-Jährige beim Frühstück in die Medaillenfreude mit ein. „Gesa war 200 Prozent fit, auch mental, und hat die Renntaktik voll umgesetzt“, bilanzierte er das Unternehmen Doha. „Der langfristige Weg hat erste Früchte getragen“, dachte er über die Nacht von Doha hinaus. Komplimente, Respekt und Anerkennung kennzeichnet dieses Athletin-Trainer-Verhältnis.

„Ich lieb dich“, flüsterte Gesa Felicitas Krause kurz nach dem Rennen in ein Handy, das ihr gereicht wurde. Ihr Freund gratulierte. „Der Wille ist alles“, hatte er ihr am Morgen noch auf den Weg über die Hindernisse mitgegeben. Eigentlich würde sie am liebsten weiterlaufen, doch jetzt ist Urlaub angesagt. Bereits komplett vorbereitet hat das Gespann Krause-Heinig die kommende Olympiasaison mit Tokio. Insgesamt sechs mehrwöchige Trainingslager in den USA, Kenia, Südafrika und der Schweiz stehen im Terminkalender. Zwei WM-Medaillen, drei EM-Medaillen hat Krause bislang eingefahren. Unschwer zu erraten, wovon sie nach Doha träumt.

WM 2019 Doha


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