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29.12.2020 | Jugend | Jörg Klein / aB

Viertel Jahrhundert TFG

Partner des LVR:

1995 ging es los: Seit 25 Jahren gibt es die Talentförderung im Leichtathletik-Verband Rheinland (LVR). Darüber schreibt Jörg Klein, Beauftragter für Talentsichtung & -förderung im LVR in seinem Bericht im LVR-Jahrbuch (Bestenliste) 2020, welches am 15. Dezember 2020 erschienen ist.

Die Jahrgänge 1985/86 bei einer TFG Maßnahme (Foto: privat).

Die Jahrgänge 1985/86 bei einer TFG Maßnahme (Foto: privat).

Die Geschichte der Talentförderung U16 im Rheinland beginnt an einem schönen Sommertag in der Eifel, genauer gesagt im Dauner Wehrbüschstadion. Gerade fanden die Eifelkampfspiele in Daun statt. Achim Bersch und ich hatten damals Athletinnen im gleichen Alter am Start, deshalb sahen wir uns bei Wettkämpfen sehr häufig. An diesem besagten 28. August 1994 also erklärte Achim (zu diesem Zeitpunkt LVR-Jugendwart), dass es in anderen Landesverbänden unterhalb der D-Kader Fördersysteme gäbe, die er sehr interessant fand und ob ich mir vorstellen könne, dass wir so etwas auch im Rheinland anschieben könnten.

Es gab bereits seit 1992 das System der E-Kader für die Altersklassen M/W 12 bis 15, die auf Kreisebene vereinsübergreifende Trainingseinheiten anboten. Jedoch funktionierten sie nicht in allen Kreisen, wie es vom Verband gewünscht war. Die Umsetzung des neuen Projekts Talent-Förder-Gruppe (TFG) begann im Frühling 1995. Am 4. März fand das erste gemeinsame Training von Athletinnen der Jahrgänge 1981 und 1982 aus Andernach und Wittlich in der Sporthalle der Realschule in Andernach statt. Im Sommer 1995 wurde das Netzwerk erweitert. Die Planung für das erste E-Kader-Wochenende (so war der Arbeitsname) begann. Wir sprachen Trainerkollegen an, um weitere Athleten der Jahrgänge 1981 und 1982 aufnehmen zu können. Am 28. und 29. Oktober 1995 fand das erste TFG-Wochenende mit neun Mädchen aus vier Vereinen an der Mosel statt. Das Training wurde in Wittlich und in Bernkastel-Kues durchgeführt, für die Übernachtung wurde die Jugendherberge in der Burg Landshut in Bernkastel gebucht. Zum Abschluss fuhren wir ins Schwimmbad nach Zell, zwischendurch gab es das Mittagessen bei mir zu Hause. Zur Erinnerung gab es ein rotes T-Shirt mit dem Aufdruck „Talent-Förder-Gruppe“. Es war schnell klar, dass es Fortsetzungen geben sollte.

Wir versuchten direkt, Verbesserungen vorzunehmen. Es war notwendig, die Maßnahmen zentral durchzuführen, sodass der organisatorische Aufwand gering blieb. Die Jugendherberge in Traben-Trarbach war dazu ideal geeignet. Sie lag direkt am Schulzentrum, mit Sporthalle und kleiner Kunststoffanlage. Den dortigen Hausmeister kannte ich noch aus meiner Schulzeit. Die Athletinnen wurden aufgrund Ihrer Leistungen ausgewählt, weiteres Kriterium war die Mitarbeit der Heimtrainer. Insgesamt waren am zweiten Wochenende im Frühling 1996 zwanzig Personen beteiligt, 14 Athletinnen und sechs Trainer. Es wurden immer die beiden Jahrgänge der Schüler/Innen A (heute U16) für die Wochenenden eingeladen. Die Inhalte der Trainingseinheiten beinhalteten grundsätzlich alle Bereiche des Mehrkampfes. In der Zeit zwischen den Trainingseinheiten nutzten die Teilnehmer ausgiebig die Möglichkeiten des Kennenlernens und der Interaktion.

Im Herbst 1996 fand zum ersten Mal ein Trainingswochenende für die Jungen statt. Die Auswahl fand, wie auch bei den Mädchen, aufgrund der Leistungen im Blockwettkampf statt. Traben-Trarbach war mit der Jugendherberge zunächst für einige Zeit unser Basislager. An dieser Maßnahme nahmen auch zwei Athleten und ein Trainer aus Luxemburg teil. Das sollte so noch einige Maßnahmen fortgeführt werden. Ebenfalls unterstützte uns der damalige Landestrainer Joachim Kirst. Die Förder-Maßnahmen wurden schnell zum Thema in den Vereinen. Das Interesse wurde entsprechend größer, sodass schnell Richtwerte für die Einladung erstellt werden mussten. Der Wert der Maßnahmen wurde schnell sichtbar. Durch das gemeinsame Training entstanden viele Freundschaften, die Kooperation der Trainer war gewinnbringend und die Arbeit trug schon bald erste Früchte. 1998 erreichten dreißig Mädchen und Jungen aus unserem Verband die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft im Blockwettkampf.

In den folgenden Jahren wurden auch immer wieder externe Trainer zu den Trainingseinheiten eingeladen. Johannes Hücklekemkes, Thomas Kohlbacher mit Athletin Mona Steigauf, Ibolya Torma-Paech, Henning von Papen, Alwin Wagner und Steffi Nerius trainierten mit unseren Nachwuchssportlern. Der Landesverband gab frühzeitig seine Zustimmung, dass die Heimtrainer der Athleten mit der Teilnahme ihre Trainerlizenz verlängern können. 1997 fand in den Sommerferien eine gemeinsame zweitägige Radtour von Luxemburg nach Bernkastel-Kues statt. Mit dem Zug fuhren wir in die Hauptstadt des Nachbarlandes, übernachteten dort in der Jugendherberge und in der in Trier. Im Frühling 1998 begannen wir mit der Förderung des älteren Jahrgangs der Schüler B (heute Jugend U14). Am 28. Februar und 1. März 1998 fand deren erste Fördermaßnahme im Landal Greenpark Mont Royal bei Traben-Trarbach statt. Es war auch der Versuch, eine Alternative zur Jugendherberge zu finden, weil die Nächte dort oft kurz waren. Amateur-Musikgruppen stellten dort nicht die Bedingungen her, die man sich für Nachwuchs-Leistungssportler vorstellt. Die Jungs des ersten TFG-M13-Jahrgangs starteten am 14. und 15. November 1999 in die Förderung des Landesverbandes. Das zweite Treffen, das die Schüler/innen A auch hatten, wurde im Sommer durchgeführt.

Als Achims Athletenkreis älter wurde, konnte er für die TFG nicht mehr zur Verfügung stehen. Jedoch war die Zusammenarbeit mit den Heimtrainern der Athleten sehr gut, sodass immer genügend Fachpersonal zur Verfügung stand. Im Jahr 2001 wurde die Verbindung nach Luxemburg intensiviert, denn es fand eine gemeinsame Übernachtungsmaßnahme im INS (Institute National des Sports) auf dem Kirchberg statt. Der Mädchenjahrgang 1988 trainierte dort gemeinsam mit den luxemburgischen Athletinnen des gleichen Jahrgangs. Ab dem Herbst 2001 wurden alle Übernachtungsmaßnahmen auf den Mont Royal verlegt, weil der Landal Greenpark mehrere Vorteile bot: Die Kosten konnten reduziert werden und die Gruppengemeinschaft wurde dort noch besser gefördert, unter anderem deshalb, weil man sich um die Verpflegung selbst kümmern musste, es im Park ein kleines Schwimmbad gab und man mehr unter sich war. Die Wochenenden wurden sogar auf zweieinhalb Tage von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag verlängert. Dafür gab es jedoch nur ein Wochenende im Winter für jeden Jahrgang. Oft sind wir von dort aus ins Kino gefahren und der nahe Wald konnte als Trainingsort genutzt werden. Zusätzlich wurde zweimal im Winter ein Leistungstest (30 Meter fliegend, 5er Sprunglauf, Medizinballstoß, Coopertest) durchgeführt. Im Winter 2005/2006 wurden jeweils nur acht Athleten je Jahrgang zugelassen. Im Juli fand in Ulmen ein LVR-Schülerlager statt, das zur Vorbereitung auf die DM Blockwettkampf diente.

Zum Leistungstest im Frühling 2007 konnten wir Uwe Mäde gewinnen, damals Bundestrainer für die Nachwuchsklassen. Er begleitete die Disziplinen, informierte im Nachgang die Athleten über die Förderung im DLV und referierte über das Thema Nachwuchsgewinnung. Am 27. und 28. Juli 2007 fand nochmals ein Vorbereitungswochenende für die DM Blockwettkampf in Ulmen statt. In der Zeit danach wurden die Wintermaßnahmen wieder etwas zurückgefahren, es fanden wieder mehr Tagesmaßnahmen statt. Im Sommer 2009 wurde das Konzept der Talent-Förder-Gruppe neu aufgestellt. Die wichtigsten Eckpunkte waren:

•Einführung von Qualifikationskriterien für die Aufnahme in die TFG.
•Einrichtung eines Trainerteams für die TFG.
•Erstellung eines schriftlichen Konzeptes für die Nachwuchsförderung U16 und U14.
•Auflösung der E-Kader in den Kreisen.
•Durchführung der Talentiade zur Sichtung der Perspektiv-Kader.
•Einrichtung von vier Perspektiv-Kadern im Verbandsgebiet.
•Jeder Kader bekommt einen eigenen Trainer.
Die Maßnahmen wurden auf drei Eintages- und eine Übernachtungsmaßnahme festgelegt, in denen die beiden Jahrgänge wieder gemeinsam trainierten. Die Perspektiv-Kader trainierten fünfmal im Jahresverlauf. Gregor Horwedel wurde ins Trainerteam aufgenommen.

Im Herbst 2013 wurde beschlossen, für die Athleten, die am Eurocross-Vergleichskampf teilnehmen, eine Vorbereitung anzubieten. Es gab drei Treffen, um sich kennenzulernen und den Wettkampf vorzubereiten. Als Gregor Horwedel ausschied, wurden Alexandra Wehler und Gilani Lück für die TFG Mehrkampf eingesetzt. Die Übernachtungsmaßnahmen fanden nun wieder in Jugendherbergen statt. Im Sommer 2017 beschloss der Beirat Jugend und Schulsport, für die Talent-Förder-Gruppe und die Perspektivkader feste Qualifikationsnormen einzuführen. Gleichzeitig wurde der Disziplinblock Lauf in das Kadersystem integriert, der sich seit Beginn der Trainingsaufnahme sinnvoll und erfolgreich entwickelt hat.

Insgesamt wurden in den ersten 25 Jahren 515 Athleten in der Talent-Förder-Gruppe betreut. Ein kleiner Teil hat sogar den Weg nach ganz oben geschafft. Der Mehrkampf-Olympiavierte Kai Kazmirek, Speerwerfer-Weltmeister Matthias de Zordo, U20-Weltmeisterin Celina Leffler, Hindernisläuferin Verena Dreier, und die Sprinterinnen Sophia Junk und Nadine Gonska waren Mitglieder der LVR-Talent-Förder-Gruppe. Nun ist es vermessen zu sagen, dass wir auf diese Ergebnisse direkten Einfluss hatten. Ich glaube aber, dass wir vielen Athletinnen und Athleten einen Schub geben konnten, der sich auf die weitere (sportliche) Entwicklung ausgewirkt hat. So durften auch während ihrer aktiven TFG-Zeit einige Athleten Deutsche-Meister-Titel feiern. Manchmal erwartet, manchmal auch unerwartet.

Sophia Junk war bei einer der Kadermaßnahmen in Neuwied zufällig im Stadion und erklärte sich spontan für ein kleines Athletengespräch bereit. Es gibt eigentlich keine besseren Situationen, die junge Athleten mitnehmen können, als die Motivation von Spitzensportlern zu erleben. Damit das auch weiterhin so bleibt, soll unsere Arbeit weitergehen. Für die Zukunft erhoffen wir uns, dass wir neben neuen Talenten auch junge motivierte Trainer in unsere Arbeit einbinden können. Außerdem werden die neuen Ansprüche der Fusion in Rheinland-Pfalz zu bewältigen sein.


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